In passing

Irgendwie habe ich das Gefühl, das ich den Herbst in diesem Jahr doch sehr stark vernachlässigt habe. Dabei kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich mich zum Ende des Sommers schon auf ihn gefreut habe und es kaum erwarten konnte, durch die langsam immer bunter werdenden Strassen zu laufen. Vor ein paar Tagen noch hatte ich eine Idee für ein Foto und musste feststellen, dass die mit leuchtend gelben Blättern geschmückten Baumkronen, die ich dafür vor Augen hatte, inzwischen schon durch kahle, schwarze Astskelette ersetzt worden sind. Morgens auf dem Weg zur Arbeit höre ich nun immer häufiger den Klang von Gebläsen, mit denen die bereits gefallenen Blätter unter den Platanen der nahegelegenen Allee zu immer größer werdenden Laubbergen zusammen getrieben werden. Ich muss zugeben, für einen kleinen Augenblick habe ich bei ihrem Anblick neulich gezögert und darüber nachgedacht, einmal kurz Anlauf zu nehmen und einfach in den größten Blätterberg hinein zu springen. Aber vielleicht fange ich doch lieber ein wenig zurückhaltender an, mache am Wochenende einen Spaziergang durch den Park und höre dabei zu, wie all die bunten Blätter dabei unter meinen Füssen rascheln.

Auch wenn mir das ganze große Herbsttheather bisher vielleicht nicht ganz so sehr aufgefallen ist, so gibt es doch immer diese kleinen Momente im täglichen Leben, in denen es ein paar leuchtend bunte Einzelgänger tatsächlich schaffen, meine Aufmerksamkeit zu erregen. Ganz egal wie eilig ich es auch haben mag oder wie sehr ich mit anderen Dingen beschäftigt bin, wenn ich sie erst entdeckt habe, muss ich einfach kurz innehalten und zumindest versuchen, ein Bild von ihnen zu machen. Zur Erinnerung an unsere Begegnung und das damit verbundene Gefühl von Freude und Verwunderung.

Gelb-grünes Blatt schwebt scheinbar an brauner Wand

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14 Replies to “In passing”

  1. Die Schärfe liegt auf grün… gut. Aber wo ist das Teil befestigt. Wo zeigt es hin, möchte es etwas aufspießen? Einsamkeit. Wo sind seine Freunde? Wieso seine?
    Oder sollte man da besser nicht drüber nachdenken?

    1. Woran es befestigt ist, kann man erkennen, wenn man ganz genau hinschaut. Es hängt gewissermaßen am seidenen und etwas klebrigen Faden, der von einem hungrigen Krabbeltier an der Wand entlang gesponnen wurde. Die Richtung, in die es zeigt, hängt ganz davon ab, wie der Wind gerade weht. Vielleicht winkt es sogar seinen Freunden zu, die entweder noch oben am Baum mit einander rascheln oder bereits über die Strassen tanzen. In diesem kurzen Moment war es bestimmt nicht einsam, denn ich war ja da und habe es gesehen, während mein Begleiter nichtsahnend einfach weitergelaufen ist. Natürlich kann man darüber nachdenken. Und Geschichten dazu erzählen 🙂

      1. Ja, vor allem über ignorante Begleiter, die an den wichtigen Dingen des Lebens vorübereilen. Und auch für Erklärungsversuche nicht empfänglich sind. Fotografenleid. Dabei ist das Blatt doch ein Schatz, voller Gedanken und Ideen.
        Ach ich liebe die Fotografie.

        1. Zur Verteidigung meiner Begleitung muss ich sagen, dass ich da in der Regel keine Vorwarnung gebe und einfach schnell mal unbemerkt abtauche. Ich fotografiere ja in der Regel alleine, da muss ich ja nix erklären und kann einfach machen. Mir ist es eigentlich auch lieber, wenn andere das erst das fertige Bild zu sehen kriegen. Zuschauer lenken mich meistens eher ab. Da ist halt jeder ein bisschen anders. Ja, die Fotografie ist schon was ganz Tolles 🙂

  2. Ich mag das Bild und den Text dazu sehr… Stimmt dann doch wieder mal nachdenklich. Wie so oft… Liegt definitiv an der Kombination aus Bild und Wort… Das schaffst Du jedes Mal aufs neue!

    1. Danke, Markus! Nachdenklich kann ich ganz gut, glaube ich, und im Herbst sowieso 🙂

  3. so ein hübsches!! aber wie du mit anlauf in einen laubhaufen springst, das würde ich schon gern sehen!

    1. Dankeschön 🙂 Leider musste ich heute früh feststellen, dass die Haufen weggeräumt wurden 🙁 Aber wer weiss, vielleicht klappt es ja nächstes Jahr endlich mit Wien im Herbst, dann kannst Du live zuschauen und/oder mit rein hüpfen 🙂

      1. Ich freu mich mal prophylaktisch auf diese wunderbaren Aussichten 🙂

  4. Herbst und Farben…es kommt immer, jedes Jahr…und immer interessant den Fotografen…immer egal aber immer etwas neues zu sehen…immer können wir eine leine Überraschung finden…ein neue Foto machen…ich liebe es…
    robert

    1. Da kann ich Dir nur zustimmen, Robert. Ich liebe den Herbst mit all seinen Farben und diesem ganz besonderen Licht mittlerweile auch sehr. Werde versuchen, mir am Wochenende Zeit für einen Spaziergang zu nehmen.

  5. Find ich super! Hab vor einem Jahr in Graz ein ähnliches Foto gemacht, da hing es mitten am Weg knapp über Augenhöhe, hab dann zwei Fotos gemacht. Eines im Sonnelicht, wo man den Faden glänzen sieht. Und das zweite als sich die Sonne hinter den Wolken versteckte bei dem sich so mancher auf in meinem Lomographyhome wundert wie man genau im richtigen Moment das Fallende Blatt erwischen kann… hihi, man muß ja nicht immer alles verraten ;).

    1. Haha, Du bist ja gemein 😉 Ich habe neulich auch so ein freihängendes Blatt gesehen, das hing an der Decke einer Bushaltestelle. Konnte aber kein gutes Bild davon machen, weil der Hintergrund einfach nicht wirklich gut aussah und es durch den Wind außerdem total rumgezappelt hat. Man kann halt nicht immer Glück haben. So, jetzt geh ich mir mal Dein Blatt anschauen 🙂

      1. Pssst, aber nicht weitersagen 😉 .

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