Analoges Doppelexperiment: Pinhole und Caffenol

Obwohl das Sternschnuppengucken letzte Nacht aufgrund eines komplett wolkenverhangenen Himmels über Rostock leider ausgefallen ist, sitze ich heute trotzdem völlig übermüdet vor meinem alten Laptop im Wohnzimmer meiner Eltern und versuche mich im Schreiben eines neuen Beitrags über mein neuesten analoges Fotoexperiment. Es gibt ja noch immer so ein paar Sachen, die ich schon länger mal ausprobieren wollte und doch immer wieder aufschiebe, weil die digitale Fotografie eben doch so viel einfacher und bequemer ist. Wenn ich dann doch mal beschließe, wieder ein wenig mit dem analogen zu experimentieren, nehme ich oft gleich mehrere Sachen auf einmal in Angriff und so war es auch dieses Mal.

Zum einen wollte ich gerne mal ausprobieren, wie es sich eigentlich mit einer Pinhole-Kamera fotografiert und glücklicherweise brauchte ich dafür weder etwas basteln noch eine neue Kamera kaufen, denn meine Lomography DianaF+ lässt sich mit weniger Handgriffen zu einer solchen Kamera umbauen. Eine kurze Recherche im Internet hat ergeben, dass das Pinhole etwa einer Blende von f/150 entspricht, was mir bei der Ermittlung der notwendigen Belichtungszeiten sehr geholfen hat, auch wenn die Luxmeter App, die ich dafür verwendet habe, in dem Bereich nur die Blendenwerte f/144 bzw. f/161 kennt. Im zweiten Teil des Experiments wollte ich mich zum ersten Mal an die Entwicklung eines Schwarz/Weiß-Filmes wagen und weil ich dafür keinen der guten Ilford-Filme verbraten wollte, habe ich einen alten, abgelaufen Film von Lomography genommen. Auch die Motive sind mir für solche Aktionen nicht wirklich wichtig, schließlich will ich ja erst einmal wissen, ob alles überhaupt funktioniert, also habe ich die Kamera fix auf’s Stativ geschraubt und bin einfach mal in meiner neuen, alten Nachbarschaft auf Entdeckungstour gegangen. Den Film habe ich dann ein paar Tage später daheim mit Caffenol, das ist eine Mischung aus Instantkaffee, Waschasoda, Vitamin C und Wasser, entwickelt und dabei als erstes festgestellt, dass sich mein neues, fensterloses Badezimmer ziemlich schnell in eine Dunkelkammer umbauen lässt, so spare ich mir wenigstens die Schwitzkur unter der Bettdecke. Im Internet hatte ich gelesen, dass die Caffenollösung sehr doll stinken soll, also bin ich für die Entwicklung in die Küche gezogen, damit ich ggf. ordentlich lüften oder auch auf den Balkon ausweichen kann, konnte jedoch keinen starken Geruch feststellen. Als ich letztendlich den Entwicklungstank wieder aufschrauben und den Film herausholen konnte, war ich schon mal happy, überhaupt etwas auf den Negativen erkennen zu können; Belichtungszeiten und Entwicklung hatten offenbar funktioniert. Ein bißchen gewundert habe ich allerdings über die Zahlen und Punkte auf den Negativen, die vom Trägerpapier des Films hinterlassen wurden, was bei solch verhältnismäßig billigen Filmen durchaus mal vorkommen kann, wenn man sie falsch bzw. zu lange lagert. Ist aber halb so wild und mal was anderes. Gescannt habe ich die Negative ausnahmsweise mal in Farbe, denn so haben sie einen leichten Braunschimmer vom Kaffee, was etwas spannender ist als nur Graustufen. Und so sieht das Ergebnis aus:

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Kurz zusammengefasst noch einmal die technischen Details: Lomography DianaF+ im Pinhole Modus, abgelaufener Lomography Black/White Film mit ISO 400, Kippentwicklung mit Caffenol im Jobo-Tank bei etwa 20°C. Insgesamt bin ich eigentlich ganz zufrieden mit den Ergebnissen und werde sicher noch mehr Film in schwarz/weiß knipsen und entwickeln. Ob die DianaF+ noch mal als Pinhole-Kamera zum Einsatz kommen wird, weiß ich allerdings nicht; vermutlich werde ich sie wohl doch demnächst verkaufen, da ich für das Fotografieren im Mittelformat ja inzwischen die Hasselblad habe und jetzt auch nicht so sehr an den Toykameras hänge, um sie ewig aufzuheben ohne sie tatsächlich zu nutzen. Davon mal abgesehen, habe ich zur Zeit ein Auge auf die Lomography Instant Kameras geworfen, denn die Sofortbildfotografie wollte ich ja auch gerne noch ausprobieren.

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4 Replies to “Analoges Doppelexperiment: Pinhole und Caffenol”

  1. Super spannend und gelungen Ergebnisse. Wie kommst du nur immer auf solche Ideen?
    Zumal da ja gleich, meiner Meinung nach, sehr viele Risikofaktoren zusammen kommen.
    Stimmen die Belichtungszeiten, ist der Film noch brauchbar, funktioniert der Entwickler und dann die Entwicklung selbst. Bei so einem Experiment würde ich mit komplett schwarz bzw braun rechnen. Gut gemacht. Wird Zeit das ich auch mal wieder analog unterwegs bin.
    Liebe Grüße
    Jörg

    1. Freut mich wirklich sehr, dass Dir mein Experiment gefällt. Mit solchen Sachen kann ja nicht jeder was anfangen, aber ich habe da einfach Spass dran. Vielleicht fällt es mir etwas leichter, weil ich Chemikerin bin, obwohl ich mich ehrlich gesagt nicht wirklich mit der Fotochemie beschäftige.Ich glaube, man sollte sich nicht zu viel darüber nachdenken und es einfach machen, viel zu verlieren hat man ja nicht. Filme entwickeln ist bei mir schon ne ziemliche Chaosaktion, da ist es wirklich fast ein Wunder, dass es überhaupt klappt. Beim Ansetzen der Caffenollösung neulich ist mir z.B. noch etwas Wasser in den Messbecher gelaufen, da habe ich einfach noch ein paar Krümelchen Pulver mehr reingeworfen, ohne groß abzumessen und mit den Entwicklungs-, Wässerungs- und Fixierzeiten nehme ich es auch nie so genau. Ist aber egal, weil ich ja nicht zwangsläufig an reproduzierbaren Ergebnissen interessiert bin und die zufälligen Ergebnisse künstlerisch interessanter sind. Also, nur keine Scheu und ran an den Film 🙂

      Liebe Grüße,
      Viola

  2. cool, dass du das ausprobiert hast. ich mag die bilder in serie sehr und ich finde, dass grade diese zahlen und punkte irgendwie einenbesonderen touch geben.

    1. Ja, das finde ich auch 🙂 Wusste gar nicht, dass so etwas überhaupt passieren kann. Abgelaufene Filme sind halt immer für Überraschungen gut und da ich so selten analog knipse, hab ich noch einige hier 🙂

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