A tiny fortress of solitude

Das heutige Bild wollte ich eigentlich schon vor einer Weile posten, kam jedoch bei der Wahl des Titels ein wenig ins Schleudern, weil ich den Fehler gemacht habe, vorher noch mal im Internet zu recherchieren, was es eigentlich so mit dem Sozialverhalten einer Weinbergschnecke auf sich hat. Gleich der erste Satz, der mir dort begegnete, warf meine Idee über den Haufen, denn er erklärte mir, dass Weinbergschnecken gesellig und liebestoll wären. Davon habe ich mich erstmal etwas verunsichern lassen und später herausgefunden, dass die Paarung wohl wirklich der einzige Anlass zu scheint, bei der eine Schnecke sich mit einer anderen beschäftigt. Die restliche Zeit verbringt sie als Einzelgänger und wenn sie wirklich so gar keine Lust auf ihre Umwelt hat, kann sie sich einfach in ihr Schneckenhaus verkriechen, da paßt außer ihr nichts anderes mehr rein. Es ist so eine einfache Art, nach außen zu zeigen, dass man jetzt einfach mal weg ist, ein bißchen alleine oder vielleicht auch nur nicht so verletzbar sein und sich vor all den Dingen dort draußen schützen möchte. Manchmal würde ich mir auch gerne so ein Haus bauen, eins mit dickeren Wänden und etwas mehr Platz, dann bräuchte ich noch viel weniger raus. Und dann schwebt mir immer wieder so ein anderer Satz im Kopf herum, den ich schon ein paar Jahre nicht mehr gehört und dennoch immer wieder einmal irgendwo gelesen habe: ‚Der Mensch ist ein soziales Wesen.‘ Ich glaube, es soll nicht nur erklärend, sondern vielleicht auch ermutigend gemeint sein, ich fühle mich dabei jedoch immer eher wie ein Außenseiter und frage mich, ob es nicht auch noch andere Möglichkeiten und alternative Lebensmodelle gibt. Damit die Einzelgänger, mit ihrem Schneckenhaus, nicht immer so doll auffallen oder von der Überschwänglichkeit der geselligen Massen einfach unbemerkt zerquetscht werden.

Auf dem Rücken liegende Weinbergschnecke

Ich weiß nicht genau, ob man es im Bild erkennen kann, aber die Schnecke war noch lebendig und hatte sich nur versteckt. Vielleicht hat sie ein vorbei laufender Hund aus Versehen auf den Weg geschubst oder sie wurde beim Überqueren ertappt. Nachdem ich das Foto gemacht hatte, habe ich sie aufgehoben und ein paar Meter weiter ins Gras neben dem Weg gelegt, wo sie vielleicht noch immer munter herumkriecht.

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8 Replies to “A tiny fortress of solitude”

  1. Hi Viola
    Schöne Aufnahme, passt wirklich gut zum ausdrucksstarkenText.

    Ich denke jeder braucht gelegentlich einen Platz zum zurückziehen. Aber ich stimme mit der Aussage überein: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen Leute zum interagieren. Sicherlich jeder Mensch in anderen Dosen.

    Ich denke ein wenig auffallen (natürlich nicht negativ) schadet nicht dann kennen einen die Leute wenigstens 😉 .

    LG Peter

    1. Danke Peter! Ich glaube, das Problem liegt eher darin, dass es eben nicht zwangsläufig für jeden genug Menschen zum interagieren gibt. Irgendwann sind die meisten doch anderweitig enger gebunden, da bleibt dann schon mal ein unnützes Rad am Wegesrand liegen. Und ich würd mich dann oft gleich noch weiter in die Büsche rollen anstatt im Rennen zu bleiben. Nun ja.
      Auffallen war irgendwie nie so das Problem bei mir, war schon immer zappelig und laut, das merkt man sich. Ich treffe daheim ja immer noch Leute, die mich schon im Kindergarten kannten, allerdings waren wir damals auch die einzigen Zwillinge 🙂

  2. ich mag diese schnecken gern, ich finde die vorstellung auch schön, irgenwdie immer und überall zuhause zu sein und zu hektik gar nicht in der lage zu sein. dass du dir bei diesem satz wie ein außenseiter vorkommst schmerzt mich irgendwie zu lesen. wieso meinst du das denn?

    1. Immer und überall zuhause sein ist ein gutes Stichwort, wo ich doch gerade mit meinen Eltern im Urlaub bin und wir bei Freunden wohnen. Die verstehen irgendwie nicht so recht, dass man halt auch einfach mal ein bißchen allein sein will, um zu lesen etc. Ich komm mir bei diesem speziellen Satz immer als Außenseiter vor, weil halt alle anderen halt irgendwen haben, einen Partner, Kinder oder enge Freunde, mit denen sie weggehen, in Urlaub fahren, Dinge teilen und ich meistens alleine bin. Jetzt wo ich wieder in Rostock wohne, kann ich zumindest immer mal bei meinen Eltern vorbei, aber das kann doch nicht alles sein. Vielleicht bin ich zur Zeit auch nur etwas sensibel deshalb, weil ich nicht so recht weiß, wie es nächstes Jahr weitergehen soll. Oder ich komm schon in die Wechseljahre 😉

  3. Ein Schneckenhaus als Rückzuggsort…schöner Gedanke!

    Doch, liebe Viola, du bist nicht allein, es gibt Viele (Menschen), die gerne in Schneckhäusern wohnen oder wohnen würden….
    DIese schnelle, laute, immer am Limit tickende Zeit ist nicht leicht auszuhalten…aber das ist nur meine Meinung…ich habe ein *Schneckenhaus*…ich flüchte an den Webstuhl…dann kann ich ganz in mir sein….

    Ich finde es sehr, sehr wichtig; sich ab und zu auf sich selbst zu besinnen….deshalb brauchst du dich auf keinen Fall als Außenseiter zu fühlen…da schließe ich mich Paleicas Worten an…

    Fühl dich herzlich umarmt
    Gabi

    1. Vielen Dank für die lieben Worte, Gabi! Ich hab mich im Vergleich zu früher auch ziemlich zurückgezogen und müsste eigentlich wieder viel mehr raus, unter Leute. Das war auch einer der Gründe, warum ich wieder zurück in meine Heimatstadt gegangen bin, dort habe ich wenigstens noch meine Eltern wenn alle anderen keine Zeit haben. Einerseits gewöhnt man sich ans Alleinsein und andererseits kommt man sich komisch dabei vor, zumal durch das Internet den anderen beim Zusamnensein zuschauen kann. Ist manchmal einfach ein bißchen verzwickt, das Ganze. Sei ganz lieb gegrüsst,
      Viola

  4. Meine Süße, Du brauchst kein Schneckenhaus! Du bist so ein toller Mensch und brauchst Dich nicht verkriechen <3
    Ich freue mich auf unser Wiedersehen!
    xox

    1. Danke, Süsse 🙂 Ich freu mich auch schon sehr. Das wird bestimmt gant toll xox

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