Fotografie am Rande des Nervenzusammenbruchs

Inzwischen ist meine Reise nach Cluj-Napoca in Rumänien schon gute drei Monate her und so wird es wohl langsam Zeit, euch von etwas zu erzählen, dass sich während meines Aufenthaltes ergeben hat. Der Hauptgrund meiner Reise damals war ja, dort endlich mal eine befreundete Fotografin zu treffen, die ich im Sommer 2013 auf Google+ kennengelernt habe. Als wir eines Abends so zusammen saßen, erzählte sie mir davon, daß sie mit ein paar anderen Fotografinnen gerade eine kleine Gruppenausstellung planen würde und dabei auch an mich gedacht hätte. Inspiriert von den Filmen des spanischen Filmemachers Pedro Almodóvar sollten von weiblichen Fotografen gemachte Porträts von Frauen jeden Alters gezeigt werden und das im quadratischen Format. Wie ihr vielleicht wisst, fotografiere ich nur sehr selten Menschen und auch das quadratische Format kommt bei mir nicht so häufig zum Einsatz, aber ich dachte mir, irgendwie würde ich das schon hinbekommen und zur Not fotografiere ich einfach meine Mutter und mich selbst.

Da ich bis dato noch keinen einzigen Film von Pedro Almodóvar gesehen hatte, mußte ich ein bißchen recherchieren, Bildmaterial und Videos sichten, um herauszufinden, welche Elemente seiner Filme ich für meine Bilder übernehmen wollte. Am meisten heraus stachen für mich dabei vor allem die Filme ‚Volver‘ (2006) und ‚Julietta‘ (2016) und ich wollte versuchen, starke, authentische Frauen zu zeigen und das in möglichst kräftigen, bunten Farben. Da es bereits Oktober war, hätte ich die Aufnahmen gerne drinnen gemacht, allerdings ist das leichter gesagt als getan, wenn man kein Studio hat und ohnehin viel lieber draußen, bei natürlichem Licht fotografiert. Also habe ich mir als erstes meine Mutter geschnappt, um draußen mal ein paar Testbilder und zu sehen, ob ich nicht auch mit vorhandenen natürlichen Hintergründen das Ergebnis bekomme, das ich mir vorstelle. Farblich haben mir die Testaufnahmen echt gut gefallen, weil sie eine schöne Mischung aus rot, grün, blau und gelb waren, aber da es eben nur ein paar schnelle Tests sein sollten, habe ich vergessen, auf Details zu achten und so gab es in jedem Bild irgendeine Kleinigkeit, die mich gestört hat. Davon mal abgesehen, läßt sich nicht jedes Bild gut zu einem Quadrat schneiden.

Da ich mir im Vorfeld nicht sicher war, ob meine Mutter überhaupt Lust hat, sich fotografieren zu lassen und auch nicht unbedingt schon wieder selbst vor die Kamera wollte, habe ich einfach mal auf Facebook gefragt, ob nicht irgendwer in meinem Freundeskreis Lust hätte, sich für die Ausstellung von mir fotografieren zu lassen und es haben sich gleich drei Freiwillige gemeldet. Die Shootings mit meinen Mädels fanden allerdings erst Ende Oktober bzw. Anfang November statt, da waren die Bäume und Sträucher schon langsam kahl, die Temperaturen noch ein bißchen niedriger und auch der erste Schnee schon gefallen. Da ich mich von der Idee, drinnen zu fotografieren zu können schnell verabschiedet hatte, mußte stattdessen jede bunte Fläche in der Nähe meiner Wohnung als Hintergrund her halten und die Mädels kurz mal ein wenig auf der Straße frieren. Sie haben sich aber nicht beklagt und alle ganz tapfer durchgehalten. Obwohl ich mir meiner Mutter später noch ein weiteres Shooting gemacht habe und die dabei entstandenen Aufnahmen auch sehr gut zum Thema der Ausstellung gepasst hätten, habe ich nach langer Überlegung dann doch dafür entschieden, nur die Bilder von meinen Freundinnen zu verwenden.


Ursprünglich waren für die Ausstellung nur 2 Bilder geplant, da es dann aber doch weniger Fotografinnen geworden sind, konnte ich letztendlich 3 von meinen Bildern zeigen und aus Layoutgründen gibt es hier für euch sogar noch ein viertes Bild als Bonus. Der Titel der Ausstellung ist gleichzeitig auch der Titel dieses Beitrags und leitet sich ab von einem Film Almodóvars ‚Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs‘. Er wurde erst festgelegt, als ich meine Bilder schon im Kasten hatte und mir schien, dass er vielleicht nicht so gut zu meinen Bildern paßt. Andererseits kann das Drama ja auch hinter der Kamera stattfinden, so gesehen paßt es dann doch wieder ganz gut. Was das Fotografieren von Menschen angeht, bin ich ganz sicher noch nicht dort, wo ich gerne sein möchte, trotzdem bin ich mit den Bildern ganz zufrieden und konnte das Konzept auf meine ganz eigene Art umsetzen.

Die Ausstellung wurde am 16. Dezember 2016 im Insomnia Cafe, dem ältesten Pub in Cluj-Napoca, eröffnet und meine Bilder hingen dort noch bis gestern, dem 15. Januar, zusammen mit den Arbeiten von Crina Prida (Rumänien), Oana Pop (Rumänien), Alexandra Mocan (Rumänien), Olga Kafka (Russland), Dani Andersen (Dänemark) und Marianne Visser (Niederlande). Es war eine interessante Erfahrung und auch ein großes Vergnügen.

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3 Kommentare

  1. Hi Viola
    Gratulation, eine Einladung zu eine Gemeischaftsausstellung ist schon was besonderes. Tolle Portraits! Das dritte Model, mit dem etwas spanischen Einschlag wirkt wie von Almodovar persönlich gecastet 😉 .
    Und das nächste Mal muß halt mit dem Schwedenwürfel werken dann mußt nix wegschneiden 😉 .
    LG Peter

    1. Vielen Dank Peter! Ich war echt überrascht, daß meine Freundin, die eine großartige Porträtfotografin ist, mich überhaupt in Erwägung gezogen hat. Sie fand ja die Bilder von meiner Mutter am besten, aber den Testbildern haben mich wie gesagt Kleinigkeiten gestört und das Bild vom zweiten Shooting fand meine Mutter nicht so toll, weil zu viel Rouge drauf hatte. Irgendwas ist immer 🙂
      Meine dunkelhaarige Freundin Claudia war die erste, an die ich für das Shooting dachte, weil sie einfach perfekt zu Almodovar paßt. Hab mich echt gefreut, dass sie sich auch freiwillig gemeldet hat und werde bestimmt noch mal ein Shooting mit ihr machen.

      Bei meiner DSLR kann man ja prinzipiell auch ein quadratisches Format einstellen, aber dann muß man über’s Display im Live View Modus fotografieren. Analoge Porträts habe ich mich dann doch nicht getraut, zumal ich digital auch viel besser die Farben verstärken kann und es ja möglichst kräftig bunt werden sollte. Die Hassi steht hier aber schon seit Tagen griffbereit, weil ich endlich mal wieder mit ihr raus will, um ein paar s/w Filme voll zu knipsen. Ich war letzte Woche mit der Nikon draußen, d.h. es gibt die Tage noch was analoges von mir 🙂

      Liebe Grüße,
      Viola

      1. Na da freu ich mich schon auf ein paar neue Analoge von dir!
        Ich geh bei Shootings schmicktechnisch immer taktisch vor, also zu anfangs nur ganz wenig und gegen Ende ein weing peppiger nachschmicken… Aber das mit den Kleinigkeiten kenn ich eh 😉
        Alles liebe Peter

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