Ein monochromer Spaziergang um den Baggersee

Es gibt diesen einen Tag im Jahr, an dem ich wirklich immer einen Beitrag schreibe. Er jährt sich heute nun schon zum sechsten Mal, der Tag an dem dieser Blog offiziell gestartet wurde. In dieser Zeit habe ich etwa 650 Beiträge geschrieben, mit deren Texten allein man schon beinahe 500 Din-A4-Seiten füllen könnte. Ich habe hier außerdem mehr als 2000 Bilder veröffentlicht, einige davon würde ich heute vielleicht nicht mehr machen und schon gar nicht öffentlich zeigen, andere liebe ich dafür umso mehr, doch eins haben sie wohl alle gemeinsam: sie wären vermutlich niemals entstanden, wenn ich diese Plattform nicht für mich entdeckt hätte. Ohne diesen kleinen Blog wäre ich ganz bestimmt nicht wo und wer ich heute bin, hätte so viele Dinge niemals ausprobiert und wären vielen tollen Menschen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der virtuellen Welt, vermutlich auch nie begegnet.

Doch ich möchte heute gar keinen langen sentimentalen Rückblick schreiben und habe ein paar Bilder heraus gesucht, die auf dem ersten Anschein nach nicht so ganz zu diesem eigentlich durchaus feierlichen Anlass passen wollen. Da ich für diese Aufnahmen jedoch endlich mal wieder etwas Neues gewagt und mich tatsächlich an die Entwicklung eines Kleinbildfilms gewagt habe. Ich habe das schon eine Weile vor mich hergeschoben, weil ich in der Vergangenheit immer recht große Schwierigkeiten damit hatte, den deutlich kürzeren Rollfilm auf die Entwicklerspule zu fädeln. Tatsächlich geht es mit dem schmaleren Kleinbildfilm viel leichter und natürlich auch schneller, ganz ohne Schwitzen. Die Entwicklung von schwarz/weiß-Filmen hatte ich vor ein paar Monaten ja schon ein mal getestet und mir für diesen Winter vorgenommen, mal ein wenig häufiger analog und monochrom unterwegs zu sein. Der erste Versuch mit meiner kleinen, selbstgebauten Recesky TLR hat leider offenbart, dass sie vermutlich einen defekten Verschluss hat und somit konsequent überbelichtet, also war ich am vergangenen Samstag mit meiner Nikon ein bißchen auf den Wiesen rund um den Baggersee spazieren. Abends daheim habe ich den Film dann gleich entwickelt und mich wirklich sehr gefreut, dass alles gut geklappt hat. Ein paar meiner Lieblingsaufnahmen möchte ich daher heute mit euch teilen. Statt Blumen, Kuchen und Konfetti.

Vertrocknete Gräser am Seeufer
Nahaufnahme von Schilf am Seeufer
Schilf am Seeufer mit Landschaft im Hintergrund
Nahaufnahme eines Schilfrohrkolbens mit vereistem See im Hintergrund
Nahaufnahme von Schilf mit See und Hügel im Hintergrund
Schilf mit Bäumen im Hintergrund

Für alle Interessierten noch kurz ein paar eher technische Details: Nikon FM2N mit Nikkor 50mm f/1.8, AGFA APX 100 Film entwickelt bei Raumtemperatur im Jobo-Tank mit Caffenol-C, fixiert mit Adofix P. Ich glaube, ich habe noch genug Instantkaffee übrig, um 1-2 weitere Rollen zu entwickeln, die ich allerdings erst noch voll knipsen muß. Meine Hasselblad steht schon seit Tagen neben meinem Schreibtisch und wartet darauf, dass ich sie endlich mal einpacke, wenn ich aus dem Haus gehe und wer weiß, vielleicht mache ich das ja schon dieses Wochenende. Draußen gibt es gerade zwar nicht so viel zu entdecken, aber ich wollte ja schon immer mal ein paar neue Porträts von meinen Eltern machen, warum also nicht schön klassisch in schwarz/weiß.

Ganz zum Schluß möchte ich natürlich noch ein großes Dankeschön an all diejenigen von euch aussprechen, die mich hier in den letzten Jahren gefunden, begleitet und unterstützt haben, ob nun erst seit kurzem oder schon verdammt lange. Ich weiß, ich bin nicht gerade ein aktives Community-Mitglied, daher freut es mich umso mehr, dass ein paar von euch trotzdem dran bleiben und immer noch mitlesen. Ihr seid toll.

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8 Replies to “Ein monochromer Spaziergang um den Baggersee”

  1. Gratuliere!
    Aber auch zu den coolen Cafenol Bildern. Bin begeistert. Welches Rezept nutzt du?

    Viele Grüße Jürgen

    1. Vielen Dank Jürgen!

      Da freu ich mich natürlich sehr. Und Du hast mich auch gleich erwischt, denn ich musste feststellen, dass ich mir das Rezept von neulich gar nicht aufgeschrieben hatte. Ich habe dieses Mal nämlich noch einmal neu geschaut, weil ich wissen wollte, ob man bei dem Film vielleicht irgendwas beachten muß und das Video glücklicherweise wiedergefunden 🙂 Ich habe 6 EL Kaffee, 3 EL Waschsoda und 1/4 TL Vitamin C in 350 ml Wasser aufgelöst. Als ich vor ein paar Monaten mal den Rollfilm aus der Pinhole-Kamera entwickelt habe, habe ich 24 g Kaffee, 32 g Waschsoda und 10 g Vitamin C in 600 ml Wasser gelöst; in meinen Notizen steht, das heißt wohl Caffenol C-M. Ich fand die neue Mischung aber ganz gut und werde sie wohl einfach auf 500 ml hochrechnen, falls mal ein Rollfilm in den Tank kommt.

      Liebe Grüße zurück,
      Viola

      1. Rezept ist notiert…
        Vielen Dank und viele Grüße
        Jürgen

  2. Hi Viola!
    650 Beiträge das nenn ich mal fleißig.
    Ja KB-Filme sind viel leichter aufzuspulen als 120er… was mußt du auch immer mit den schwierigeren Sachen als erstes anfangen ;). Cool das dus mit Caffenol probiert hast… hab ich noch nie.
    Schön das es deinen Blog gibt!
    Alles liebe Peter

    1. Vielen Dank für die lieben Worte Peter. Ich glaube, ich habe ein Händchen für die schwierigen Sachen, hab ja als ersten farbige Rollfilme entwickelt 🙂 Vielleicht hab ich als Chemiker auch weniger Berührungsängste, wer weiß.
      Ich hätte schwören können bei Dir früher mal etwas über Caffenolentwicklung gelesen zu haben oder war es Rotwein statt Kaffee? Ich hab hier ja auch noch ne Flasche Wein rumstehen, aber mit Winol muss man wohl 45-60 min entwickeln, mit Caffenol hingegen nur 15 min. Und je schneller es geht, desto besser 🙂

      Ganz liebe Grüsse,
      Viola

      1. Nein ich hab noch nie Caffenol und dergleichen benützt. Wahnsinn mit Wein geht das auch wusste ich nicht…
        Wieder was gelernt.
        Liebe Grüße Peter

  3. herzlichen glückwunsch zu einer doch nicht mehr grade unbedeutend kurzen zeit, die du hier bist und dieses virtuelle zuhause mit leben füllst. ich mag deine bilder, das weißt du wohl 🙂 ich sage es ja oft genug ^.^

    1. Vielen Dank, liebe Paleica! Du liest hier vermutlich an längsten mit und ja, das weiß ich 🙂

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