My secret art project: Cyanotype meets Polaroid

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag bereits am vergangenen Wochenende schreiben, da meine Mutter jedoch seit Tagen von einem viralen Infekt außer Kraft gesetzt wurde und mein Vater auch etwas rumgekränkelt hat, sitze ich mehr oder weniger bei meinen Eltern fest und mußte ein paar Dinge weiter nach hinten schieben. Während draußen gerade ein recht heftiger Sturm tobt und die ersten gelben Blätter von den Bäumen schüttelt, habe ich mich mit meinen Laptop kurz mal ins Gästezimmer verkrümelt und versuche, vor dem Abendbrot noch schnell ein paar Zeilen zu schreiben. Ich habe vor einer Weile ja schon kurz angekündigt, dass ich in den letzten Wochen und Monaten an einem kleinen, geheimen Kunstprojekt gearbeitet habe und euch die ersten Ergebnisse bald zeigen wollte. Wahrscheinlich ist meine Aufregung größer gewesen als eure Neugier und vielleicht ist auch schon ein kleines bißchen die Luft raus, weil ich durch die ganze Trödelei mittlerweile ja schon einige Bilder auf Instagram und Facebook veröffentlicht habe, aber das läßt sich nun auch nicht mehr ändern.

Wenn ihr hier regelmäßig und auch schon etwas länger reinschaut, ist euch bestimmt aufgefallen, dass meine digitale Fotografie im Laufe des letzten Jahres etwas in den Hintergrund getreten ist und ich mich stattdessen mehr mit der analogen Fotografie beschäftigt habe. Ich habe wirklich viel Zeit damit verbracht, mit der Cyanotypie zu experimentieren, wobei etwa 250-300 Bilder in unterschiedlichen Größen entstanden sind. Nahezu zeitgleich habe ich trotz der hohen Filmpreise außerdem die Sofortbildfotografie für mich entdeckt und mich nach den durchaus gelungenen Anfängen mit meiner Fuji Instax Mini noch einmal so richtig in die Bilder meiner Polaroidkamera verliebt. Da ich mittlerweile auch relativ viel auf Instagram unterwegs bin und dort täglich mit Hilfe von Search & Explore nach neuen Künstlern, Ideen und Inspiration suche, kam mir irgendwann der Gedanke, diese zwei fotografischen Techniken doch einfach mal zu verbinden. Angefangen hat alles im Juni mit ein paar durch einen Kameradeffekt falsch belichteten und unvollständig entwickelten Bildern, die ich in einem Rest aus bereits seit einiger Zeit fertig gemischt herumstehenden Cyanotypielösung eingeweicht und ein paar Tage stehen gelassen habe. Das Eindringen der Lösung in die Polaroidbilder hat mal mehr, mal weniger gut geklappt, aber ich bin dran geblieben und habe in den darauffolgenden Wochen weiter experimentiert, die Bilder länger in der Lösung liegen lassen, länger in der Sonne belichtet und anschließend noch ruhen lassen, damit sich die Chemikalien ordentlich absetzen. Berliner Blau braucht ja immer etwas, um richtig nachzudunkeln und wenn es dabei noch zwischen zwei Folien eingesperrt ist, dauert es halt noch etwas länger. Irgendwann ändert sich dann aber nichts mehr und es wird Zeit zum scannen. Und hier sind sie nun also, die ersten Bilder dieser Serie, die ich aktuell Polycyans oder Cyanoroids nenne, weil ich mich noch immer nicht für einen endgültigen Namen entschieden habe.

Da der ganze Prozess recht zeitaufwendig und auch ziemlich unberechenbar ist, habe ich bisher nur etwa 10-15 Polaroids dafür geopfert und auch nur Aufnahmen verwendet, die ich entweder zu düster oder zu langweilig fand. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mit den Ergebnissen wirklich super happy bin, hat wohl auch noch niemand anderes diese spezielle Kombination von Techniken ausprobiert, zumindest konnte ich noch nichts vergleichbares finden. Ich denke, ich werde damit vermutlich noch ein wenig weiter experimentieren und zur Zeit genießen auch noch 4 weitere Bilder ihr bereits zweites Bad in Berliner Blau, es wird also demnächst auf jeden Fall noch einen kleinen Nachschlag von dieser Serie zu sehen geben.

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6 Replies to “My secret art project: Cyanotype meets Polaroid”

  1. Cyanoroids ist finde ich noch einen ticken der bessere name 🙂 eine coole idee, ich wäre ja nie auf die idee gekommen, sowas zu machen, aber da kommt wohl die chemikerin in der zum vorschein 😀 die ergebnisse erinnern mich grade irgendwie von der stimmung her an francis bacon.

    1. Ich glaube, ich mag Cyanoroids auch lieber, wobei die Serie selbst trotzdem noch einen richtigen Namen bekommen soll. Mit Chemie hat das eigentlich nicht viel zu tun und die Idee, Polaroids einzuweichen ist auch nicht so neu, ich habe einfach nur eine andere Lösung genommen, weil ich sie eh da hatte. Vielleicht funktioniert es mit einer einfachen Farblösung genauso gut. Mir fehlt für die notwendigen langen Einweichzeiten eigentlich ein bißchen die Geduld, aber ich werde trotzdem noch ein bißchen damit rumspielen 🙂

  2. Toll!! Ich liebe solche Experimente ja sehr 😀 Das sieht wirklich spannend aus und ich bin neugierig, wie es weiter geht. Ich kannte auch nur die Verbindung von Cyanotypien und Polaroids in Verbindung zweier Ebenen, d.h. z.B. mit Polaroid Transfer.

    1. Dankeschön! Ich habe mir schon gedacht, dass Dir dieses Experiment bestimmt gefällt 🙂 Auf Instagram schrieb mir jemand, dass er sowas ähnliches macht, es war allerdings wie Du sagtest ein Polaroid Transfer. Ich habe mir jetzt mal ein paar Packete S/W Film bestellt, sieht bestimmt auch ganz interessant aus. Muß mich aber wohl etwas beeilen, bald ist es wieder zu kalt für Polaroidaußenaufnahmen.

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