Experiment: Berliner Blau trifft auf Wasser und Soda

Als ich mich vor etwa 2 Jahren auf meine bevorstehende künstlerische Auszeit vorbereitete, habe ich mich u.a. auch dafür entschieden, meine Aktivitäten in Sozialen Medien zukünftig etwas auszuweiten, weil das ja heute irgendwie auch von einem erwartet wird. Dazu gehörte auch das Anlegen eines Instagram-Accounts und auch wenn ich diesen jetzt nun schon sehr lange täglich mit einem Bild füttere, verbinde ich noch immer eine Art Hassliebe mit dieser Plattform. Ich will aber gar nicht erst damit anfangen, all die Dinge aufzuzählen, die ich daran nicht verstehe oder auch einfach nur völlig schwachsinnig finde, sondern mich auf das konzentrieren, was dort wirklich praktisch ist und oft auch sehr inspirierend sein kann: Search & Explore. Auf dieser Seite kann man nicht nur gezielt nach Schlagworten oder Personen suchen, man sieht dort auch Inhalte, die einem von Instagram vorgeschlagen werden, basierend auf den eigenen Aktivitäten sowie den Aktivitäten von Personen, denen man folgt. Der Algorithmus ist zwar nicht perfekt und manchmal auch etwas nervig, dennoch habe ich beim Stöbern durch die Ergebnisse schon einige interessante Accounts und schöne Einzelaufnahmen entdeckt. Während es auf Facebook mittlerweile nahezu unmöglich ist, neue Menschen oder Themen zu entdecken, weil so gut wie niemand mehr gute Inhalte (oder überhaupt irgendetwas) teilt, kann man auf Instagram noch immer Neues entdecken.

Ich schreibe das alles aber nicht, um Werbung zu machen, sondern nur, weil es erklärt, wie ich auf die Idee für die nachfolgende Serie von Bildern gekommen bin. Vor ein paar Monaten habe ich beim Stöbern etwas entdeckt, das dort mittlerweile von einigen Anhängern der Cyanotypie ausprobiert und unter dem Hashtag #wetcyan verbreitet wird. Es handelt sich dabei um eine leichte Abwandlung des klassischen Prozesses, bei dem das beschichtete Papier kurz vor der Verwendung mit Wasser oder einer Kombination auf verschiedenen Lösungen angefeuchtet und anschließend mehrere Stunden oder sogar Tage belichtet wird. Man erhält so anstelle des typischen Berliner Blaus eine Mischung verschiedener Farbtöne wie lila, blau, türkis, grün, gelb und orange. Das kann total schön aussehen, aber auch echt in die Hose gehen und ist echt ein bißchen Glückssache. Ich wollte es trotzdem mal ausprobieren und zeige hier mal ein paar der Ergebnisse, die meiner Meinung nach am besten gelungen sind.

 

Für die Drucke habe ich Gräser und vertrocknete Blütenstände verwendet, das Papier wurde auf eine befeuchtete Unterlage gelegt und mit einer leicht feuchten Glasplatte beschwert; zum Befeuchten habe ich Wasser und eine Waschsoda-Lösung verwendet. Durch ein paar ältere Experimente wußte ich bereits, dass Berliner Blau mit Waschsoda gebleicht werden kann und sich dabei gelb verfärbt, beides gleichzeitig angewendet resultiert wie man sieht in einer Art türkis. Durch die lange Belichtungszeit erhält man außerdem mehr Schattierungen, was auch ganz interessant aussieht. Leider kann es sehr schnell auch in die Hose gehen, weil sich mitunter zu viel Wasser an den falschen Stellen sammelt oder das Wetter nicht mitspielt. Da dieser Prozess jedoch viele Variationsmöglichkeiten und sich auch sehr gut auf für die dunkle Jahreszeit eignet, werde ich vielleicht noch mal mein Glück versuchen.

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2 Replies to “Experiment: Berliner Blau trifft auf Wasser und Soda”

  1. finde ich durchaus interessant, obwohl ich sagen muss, dass mir die „klassischen“ cyanos etwas besser gefallen. im allgemeinen finde ich die gräserdrucke aber schon toll!
    was die sozialen medien anbelangt, geht es mir genauso. facebook empfinde ich irgendwie nur mehr als katastrophe, instagram stehe ich zwiespältig gegenüber und am liebsten wäre mir, wenn es einfach wieder „nur“ mit nem blog gehen würde, aber die zeiten ändern sich.

    1. Also ich hab auf Instagram ein paar richtig coole Ergebnisse gesehen, das ist schon verlockend. Aber andererseits hatte das auch nur noch recht wenig mit dem klassischen Prozess zu tun und ich bin halt auch ein großer Fan des dunklen Blaus 🙂
      Momentan ist es echt wieder etwas schwierig mit den Sozialen Medien und ich war schon kurz davor, ein paar Accounts bzw. Seiten zu löschen, weil dort eh nicht wirklich aktiv bin bzw. sein will. „Nur“ mit einem Blog geht‘s aber leider nicht, weil ich Persönliches und Alltägliches doch lieber privat mit Freunden und Bekannten teile als öffentlich mit Fremden.

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