Nur noch zwei Bilder gilt es zu zeigen, ein allerletztes Paar, das jeweils zwei verschiedene Seiten des Herbstes symbolisieren soll, für das Dualismus-Projekt von Müller’s Sicht. Für den Schluss habe ich mir genau das aufgehoben, was mir ursprünglich als erstes in den Sinn gekommen ist, das nicht nur für den Herbst wohl immer am naheliegendste Duo überhaupt: Leben und Tod, Anfang und Ende.

Die erste Hälfte wird in diesem Fall symbolisiert durch die noch geschlossene Blüte eines Alpenveilchens umrahmt von den Schatten seiner bereits geöffneten Nachbarn. Die eher kühlen, winterlichen Farben ließen mich anfangs etwas zögern, verbinden wir den Herbst doch vorwiegend mit Grüntönen, die mit gelben, orangen, braunen oder roten Nuancen gemischt sind. Doch es gibt nicht viele Pflanzen, die um diese Zeit noch blühen und selbst die Herbstzeitlosen, deren Name die Jahreszeit enthält, leuchten in zartem rosa zwischen den von den Bäumen gefallenen Blättern. Beinahe so als würden sie mit aller Kraft auf sich aufmerksam machen wollen, um zu zeigen, dies ist nicht das Ende, es ist noch so vieles Möglichkeit bevor das Land in den Winterschlaf versinkt und alles, wirklich alles, für eine Weile ruht. Während die ganz hart gesottenen, späten Kinder der Natur aus dem Boden sprießen und uns mit kleinen Farbtupfern beglücken, bereiten sich die anderen schon auf die nächste, wärmere Zeit vor, machen es sich gemütlich, unbeobachtet im dunklen Erdreich. Und wenn man genau hinschaut, entdeckt man an den Zweigen von Bäumen und Sträuchern bereits die neue Knospen, aus denen irgendwann wieder Blätter und Blüten entstehen. Ein unsichtbarer Anfang, unaufhaltsam, jedes Jahr aufs Neue.

22 Replies to “Projekt Dualismus – Anfang

  1. Du sagst es. Genauso isses! Dein Bild ist schön, das „Schnäbele“ taucht in den Blattgrund, als suche es noch Halt.
    Ich hab gerade ein November-Kalenderblatt mit Alpenveilchen an meiner Esszimmerwand, da fiel mir genau das auf, als ich umblätterte: Eigentlich hab ich was Gelbes, Oranges, Rotes erwartet. Dieses kräftige Pink ist auch eine wunderbare „Herbstfarbe“!

    • Schön gesagt, Michel. Es war gar nicht so leicht, zwischen all den Blüten und Stengeln etwas kleines, besonderes zu entdecken. Ich denke, es hat sich gelohnt, mal ein bißchen näher ran zu gehen und genauer hin zu schauen.

      Lieben Gruß zurück,
      Viola

  2. Wow Ola! Deine Welt ist toll!!!
    Das Bild weiss zu begeistern (Vielleicht wäre ein Hochformat eine Option gewesen…. da es das neu aus der Erde sich streckende zu unterstreichen, begleiten weiss). Die Farben und die Perspektive finde ich prima. Die Schärfe zu der Unschärfe total gelungen.
    Das Foto weist für mich hohe Qualität auf.
    Und dein Text passt so schön zum Bild. Mein Fazit: rundum gelungen! 😀
    Ich grüsse dich – sonja

    • Danke, Sonja. Freut mich sehr, dass es Dir hier in meiner kleinen bunten Welt gefällt. Und natürlich auch, dass Du das Bild magst.

      Interessanter Gedanke mit dem Hochformat, daran habe ich beim Fotografieren gar nicht gedacht, vermutlich weil ich für das Projekt nicht mit verschiedenen Formaten arbeiten wollte und vielleicht auch, weil ich ganz gerne viel verschwommenes Pink im Hintergrund haben wollte. Ursprünglich wollte ich ein Bild nehmen, bei dem die Blüte nicht mittig, sondern links am Rand zu sehen ist und der Rest rechts verschwimmt, bei diesen Aufnahmen war aber leider zu wenig Schärfe auf der Blüte und langsam achte ich auch auf sowas 🙂

      Lieben Gruß zurück,
      Viola

  3. Dein Foto mit den kräftigen, leuchtenden Farben gefällt mir, genauso wie deine Gedanken. Wo man den Herbst doch eher mit dem Vergehen von Pflanzen verbindet, finde ich deine Idee mit der noch geschlossenen Blüte – bereit zum aufblühen – sehr schön.
    Liebe Grüße, Moritz

    • Genau das wollte ich zeigen und vielleicht auch ein bißchen gegen das typische Klischee des herbstlichen Verfalls kämpfen. Weil es eben nur die eine Seite ist. Freut mich sehr, dass es Dir gefällt, Moritz.

  4. Ein farbenfrohes Bild und sehr schön mit dem Text dazu. Ein Lichtblick in dieser grauen Zeit, die Alpenveilchen versüssen uns den Herbst 😉
    Und zum Anfang passt sehr gut die noch geschlossene Blüte.
    lieben Gruß
    Karin

    • Sie versüssen uns den Herbst, in der Tat. Wer hätte das gedacht, viele mögen Alpenveilchen ja nicht so sehr oder finden sie vielleicht zu spiessig. Ich finde, es komm immer auf die Perspektive an. Die Blüte im Bild wuchs zwar in einem von der Stadt bepflanzten Topf, ich habe aber auch einige ganz zarte, wildwachsende Alpenveilchen mitten in der Stadt entdeckt und war ganz entzückt. Neues Leben in der Kälte. Schön, dass es Dir gefällt, Karin.

      Liebe Grüße,
      Viola

  5. Pingback: Rosenruthie

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