Nun ist es also da, das Ende meines kleinen Urlaubs in der Heimat. Bevor ich mich morgen wieder auf den Weg zurück an den Rhein mache, war ich heute noch ein letztes Mal am Meer. Ich habe mir von der Seeluft die Haare zerzausen und mich durch das dunkle, kühle Grün des Wasser treiben lassen, mit lieben Freunden die Möwen am Strand beobachtet und am Alten Strom ein extragroßes Softeis mit Lakritzstreuseln gegessen. Jetzt bin ich ein bißchen schläfrig und denke, so richtig wach war ich eigentlich die ganze Woche über nicht. Vielleicht war es die Gewißtheit, am nächsten Tag nicht früh aufstehen zu müssen, die mich in den Nächten deutlich länger als gewöhnlich wach gehalten hat. Vielleicht waren es auch die immer wieder in weite Ferne schweifende Gedanken oder aber die vielen Stunden, die ich draußen unter dem Sternenhimmel verbracht habe, um die Sternschnuppen der Perseiden zu beobachten und mir von ihnen etwas zu wünschen, auch wenn es im letzten Jahr auch schon nicht funktioniert hat, das mit den Wünschen. Und so kamen mir viele Tage nicht ganz wirklich vor, ein wenig verschleiert von Müdigkeit und Tagträumen. Die Erinnerungen an das Gewesene sind voller bunte Bilder, ein paar neuen, wenn auch nur virtuellen Begegnungen, die meine Seele berührt und Worte von Fremden, die mich zum Lächeln gebracht haben. Alles irgendwie so ganz anders als sonst und in so vielen Augenblicken auch ein bißchen unwirklich.

Daher habe ich mich entschlossen, für das 52 Wochen-Projekt ein Bild zu nehmen, das ein bißchen so aussieht, als würde es Teil eines Traumes sein, nicht ganz klar, ein bißchen verschwommen, als hätte man es nur durch die ganz leicht geöffneten Augen gesehen, von Wimpern durchbrochen. Für solch eine Stimmung bot sich natürlich die Freelensingtechnik an und so habe ich dieses Mal versucht, ein paar wilde Blüten auf dem Rasen, dem Acker und dem Hang hinterm Haus einzufangen. Das erste Bild war dabei die größte Herausforderung, weil ich in den ersten Tagen immer zu spät am Tag nach draußen gegangen bin und sich die Blütenstände bereits geschlossen hatten. Kurz nachdem ich dann endlich die Bilder im Kasten hatte, ist mein Vater mit dem Rasenmäher einmal kreuz und quer durch den Garten und es war vorbei mit dem gelben Spektakel. Im Bild jedoch können sie noch ein wenig weiter strahlen und mich daran erinnern, wie traumhaft leicht und unbeschwert so ein Sommermoment doch sein kann.


Something pink
Little white

15 Replies to “[33/52] Es war wie ein Traum

  1. besonders das mit dem löwenzahn mag ich. und wie worte malen so schöne bilder im kopf. wenn auch ein bisschen melancholische. heute kam der wetterumschwung, es riecht nach herbst – sie passen gut dazu.

    • Das Gelbe ist kein Löwenzahn, was es ist, weiß ich aber nicht so recht. Vielleicht eine Mutation 🙂

      Wenn ich unterwegs bin hab ich immer etwas Schwierigkeiten mit der Wortfinderei, daher freut es mich umso mehr, wenn es doch ankommt. Melancholie gehört halt dazu, erst recht jetzt, wo’s langsam herbstlich wird. Schön zu hören, dass es bei euch auch endlich Erlösung von der Hitze gibt. War auch lang genug heiß. Dann kannst Du jetzt ja wieder fleissig knipsen gehen 🙂

      • oh. ich bin botanisch nicht so bewandert, für mich hat es irgendwie nach löwenzahn ausgesehen 🙂

        das glaube ich dir. mir geht es auch so. gut kann ich das nur allein daheim, das bin ich selten, daher gibt es bei mir meistens bild mit wenig wort, zumindest mit wenig symbolischen. vielleicht lese ich deswegen so gern bei dir, weil ich mir dadurch irgendwie deine worte „ausborge“, die ich selbst grade nicht zu schreiben vermag.

        oh ja. es wird auch nochmal ziemlich warm gegen ende der woche, aber ich denke, die hitze sollte überstanden sein – und ein altweibersommer und laaanger herbst wären der schönstmögliche jahresausklang 🙂

    • Danke, das freut mich total 🙂 Ich versuche auch immer wieder, gerade eher unscheinbaren Dinge etwas in Rampenlicht zu rücken, das, was so mancher vielleicht garnicht wahrnimmt.

    • Hallo Luise,

      Die Bilder habe ich so bearbeitet wie fast immer, also Kontrast, Sättigung und Tonwert ein bißchen hochgeschraubt. Meinst du die Unschärfe im Hintergrund? Die kommt so aus der Kamera, das ist der normale Effekt, den man durch die Freelensing-Technik bekommt. Ich hab darüber vor ein paar Wochen mal geschrieben, als ich es zum ersten Mal ausprobiert habe. Man schraubt das Objektiv ab und hält es lose und leicht schräg vor die Kamera, so dass sich die Schärfeebene von der Mitte an den Rand verschiebt. Ich krieg das bisher am besten irgendwo in der Ecke hin. Das Objektiv ist dabei vielleicht so 15° gekippt, also max. so 1 cm Luft auf der offenen Seite. Sauberer und ohne Staubrisiko kann man das Ganze mit einem Lensbaby (steht auf meiner Liste) oder Tift/Shift-Objektiv (viel zu teuer) knipsen, den Effekt gibt es bestimmt auch in Photoshop irgendwo. Ich hoffe, das hilft Dir weiter 🙂

      Liebe Grüße zurück,
      Viola

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