Manchmal habe ich das Gefühl, es ist schon eine ganze Ewigkeit seit dem Tag vergangen, an dem ich in Gedanken versunken durch den warmen Sommerregen lief und mich das Funkeln der auf den Blättern sitzenden Wassertropfen an einen anderen Ort zu versetzen schien. Wenn ich für einen kleinen Augenblick die Augen schließe, sehe ich diese Momente noch immer ganz deutlich vor mir, erinnere mich an das Rauschen der Wörter in meinem Kopf und dieses ganz starke Gefühl, das mich auf meinem Weg durch die Stadt begleitete und immer wieder zum lächeln brachte. Vielleicht hätte ich wissen sollen oder zumindest ahnen können, dass es wieder nicht von Dauer und der Abschied, das Wieder-Loslassen, nicht leicht für mich sein wird. Weil mich die schönsten Erinnerungen immer am traurigsten machen und ich mich doch nicht von ihnen trennen kann. So laufe ich wieder durch den Regen und weil die Worte immer weniger und weniger geworden sind, höre ich jeden einzelnen Tropfen, der auf mich fällt. Die Erinnerung an die beinahe zarten Berührungen der Sommerregentropfen wird ganz schnell weggespült von dem kalten Herbstregen, der sich erbarmungslos auf mich stürzt und von Kopf bis Fuß durchdringt. Ein schnelles Entkommen scheint nicht möglich zu sein und zum Abwarten ist nicht genug Zeit, also kämpfe ich mich Stück für Stück voran, starre gleichzeitig ins Leere und schaue mich suchend um, weil ich einfach gar nicht mehr anders kann. Auf den verlassenen Tischen eines Bistro’s verbünden sich die Regentropfen miteinander und bilden winzig kleine Pfützen. Sie umzingeln ein einzelnes, leuchtend gelbes Blatt, das mit aller Kraft versucht, das Grau des Tages zu überstrahlen. Ich weiß sofort, dass ich mein Bild für diese Woche gefunden habe und für einen kleinen Augenblick ist alles andere vergessen. Manchmal ist es so einfach, denn auch in den wortlosesten Zeiten ist immer Raum für Bilder.

41:2013 - Cold Rain

11 Replies to “[41/52] Cold rain

    • Ja, vermutlich. Ich bin es nur irgendwie langsam etwas leid, immer wieder das Gleiche zu erleben. Da ist die Versuchung, neue Mauern zu errichten, manchmal wirklich sehr groß. Naja, zumindest lassen sich auch solchen Zeiten in Wort und Bild verarbeiten.

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