In den letzten zwei Jahren habe ich wirklich nur sehr wenig digital fotografiert und manchmal kommt es mir so vor, als wäre ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr einfach so, ganz ohne ein bestimmtes Ziel, auf der Suche nach kleinen Details durch die Straßen gelaufen. Obwohl ich schon so lange wieder in meiner Heimatstadt Rostock lebe, habe ich mir bisher noch nicht wirklich die Zeit genommen, sie mit der Kamera zu erkunden und seit meiner Rumänienreise im Oktober 2016 gab es auch keine neuen, fremden Orte für mich zu entdecken. Manchmal kommt es mir total komisch vor, vermutlich auch, weil ich es so nicht erwartet oder kommen sehen habe. Doch wenn ich hier in meinem Arbeitszimmer sitze, die unzähligen Cyanotypien betrachte und durch die mit Polaroids und Fuji Instax Mini Bildern gefüllten Alben blättere, erinnere ich mich daran, was ich stattdessen alles gemacht habe.

Vor kurzem hatte ich mal wieder die Möglichkeit, für einen Augenblick zu meinen ursprünglichen Wurzeln (wenn man es überhaupt so nennen kann) zurückzukehren und mit der Kamera ein paar kleine Details einzufangen. Ort des Geschehens war dabei ein kleines, gemütliches Café in der Rostocker Innenstadt, das ein alter Freund aus meiner Teenagerzeit dort vor ein paar Monaten eröffnet hat. Ursprünglich lief das Projekt mal unter dem inoffiziellen Namen bzw. Arbeitstitel ‚Ein Laden in Rostock‘, welchen ich hier im Titel wieder aufgegriffen habe, mittlerweile ist es jedoch als ‚EinLaden 72‚ bekannt.

Als sich der neue Laden noch in der Einrichtungsphase befand, bin ich auf dem Weg zu meiner Mutter ins Krankenhaus öfter daran vorbei gefahren, habe mich nach der Eröffnung im November 2017 aber trotzdem eine Weile nicht hingetraut, weil es schon ein wenig merkwürdig ist, jemanden nach fast 20 Jahren plötzlich wiederzusehen, auch wenn man bereits seit einer Weile durch Facebook verbunden ist. Als ich aber irgendwann mit einem ehemaligen Schulkameraden, den ich auch schon 10 Jahre nicht mehr gesehen hatte, verabredet war, hat mich der Weg dann endlich mal dorthin geführt und es blieb auch nicht bei diesem einen Besuch. Der Inhaber, mein Freund Robert, hat seinen kleinen Laden mit sehr viel Liebe zum Detail eingerichtet, was für jemanden wie mich, der nicht nur dorthin geht, um guten Kaffee zu trinken (immer frisch geliefert von der Kaffeerösterei Da Joir Ma), auch nicht unwichtig ist. Als kleines i-Tüpfelchen kommt noch dazu, dass dort mittlerweile in Kooperation mit dem ILLUSTRADE Festival etwa alle 2 Monate eine neue Kunstausstellung stattfindet, was ich noch immer für eine ziemlich coole Idee halte. Zwischendurch gibt es dort auch mal was für die Ohren, für alle die Kunst lieber in Form von Tönen mögen, und manchmal kann man sogar selbst an den Plattenteller bzw. das Mischpult. Ich freue mich auf jeden Fall immer sehr darüber, wenn ich sehe, wie einer meiner Freunde so mutig ist und eine Idee oder einen Traum Realität werden lässt. Und drücke ganz fest die Daumen, das Robert’s kleiner Laden noch ganz viele liebe Gäste findet und der Stadt noch lange erhalten bleibt.

2 Replies to “Mit Liebe zum Detail: Ein Laden in Rostock

  1. Details are very important to define the style of a place. I oft decide to go in a place or another really because I like what I see around. And of course because of the food offered. But details play a big role in what I choose.
    Nice to know your friend’s dream became reality.
    If one day I’ll be around I’ll make a visit to Einladen 72|
    robert

    • Yes, I think so too. The little details make up the essence of a place, whether it is a special locale or a whole city. Should your way lead you to the northeast of Germany again, please let me know. I’ll be away a lot in the next couple of months but Rostock and the Baltic Sea coast will remain my home base for a little longer.

      Kind regards,
      Viola

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